Sport und Bewegung für die Seele
Vo-Dao-Vietnam für Straßenkinder!
Bereits während des Alphabetisierungsprojekts „yo sí puedo“ im Oktober 2004 war Eileen in Guatemala. Schon damals wurde schnell klar: Unterricht an Tischen allein war ganz und gar nicht das, was die arbeitenden Kinder von Guatemalas Straßen brauchten, um ein besseres Selbstwertgefühl zu entwickeln. Die Kinder haben einen intensiven, ungestümen Bewegungsdrang. Nicht zuletzt, weil die Kinder auf engstem Raum zusammengedrängt leben und kaum Möglichkeiten haben ihre angestauten Energien abzuführen. Dies äußert sich oft in mehr oder weniger kontrollierten Gewaltanwendungen. Hinzu kommt die soziale und ökonomische Benachteiligung der Kinder im Alltag, die ihnen kontinuierlich das Gefühl vermittelt Menschen unterster Klasse zu sein.
Sie werden als dumm und gewalttätig, als dreckig und Indios abgestempelt. Und das, obwohl streng genommen mehr als 70% der Guatemalteken indigene Ahnen haben. Doch rein logische Tatbestände spielen im Alltag der Kinder oft keine Rolle. Die Ablehnung, die ihnen entgegenschlägt und die Tatsache, dass sie jeden Tag auf den Straßen arbeiten müssen tun ihr Übriges. Die Kinder sind verunsichert und trauen sich selbst sehr wenig zu. Oftmals wagen sie es kaum, einem vermeintlich „besser gestellten“ Menschen die Hand zu geben oder auch nur direkt ins Gesicht zu sehen. Sie reagieren verlegen oder abweisend, mit großer Distanz oder aggressiv.
Wenn die Kinder und Jugendlichen jedoch einmal Vertrauen gefasst haben, äußern sich die aufgestauten Energien darin, dass sie sich in unsicheren, ungestümen Aktionen entladen.
Aus dieser Grundlage heraus entstand die Idee, den Kindern eine Alternative zum Alltagstrott anzubieten, die in Deutschland mittlerweile gesellschafts- wie auch sozialpolitisch anerkannt ist. Sport zum fordern und fördern: Kung-Fu in Form von Vo-Dao-Vietnam als Alternative zu Frust, Langeweile und Hoffnungslosigkeit!
Die Projektidee
Sowohl Jungen als auch interessierte Mädchen können nun in San Pedro el Alto auf dem Gelände der Villa Kunterbunt oder einmal die Woche auf dem alten Fußballplatz hinter der Mülldeponie, bei Eileen Vo-Dao trainieren. Die Magie, Kraft und Schönheit der Bewegungsabläufe von Vo-Dao-Vietnam faszinieren schon beim Zusehen und lassen einen so schnell nicht wieder los.
Das ist auch bei guatemaltekischen Straßenkindern nicht anders, die Kung-Fu aus Filmen kennen, die sie manchmal von draußen auf Großbildleinwänden der Bars und Kneipen mitverfolgen können. Die Möglichkeit, selbst Vo-Dao zu trainieren wie die Helden in den Filmen, birgt für die Kinder eine besondere Faszination.
Zielsetzung
Durch Kung Fu sollen die Kinder einerseits die Möglichkeit haben, sich körperlich und bewegungstechnisch auszutoben und dabei andererseits lernen, mit den damit verbundenen Regeln und Werten umzugehen. Die Kunst besteht darin, ein Gefühl für den Körper und die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, um somit ein Selbstbewusstsein aufzubauen, dass sie befähigt in Krisen- und Problemsituationen anders als mit Gewalt und Aggression zu reagieren.
Das Training übernimmt die Funktion der Vermittlung von Sozialkompetenz, Respekt und Toleranz sowie der Förderung von Selbstbeherrschung und Verantwortung für das eigene Handeln.
Die Kinder verinnerlichen die eben erwähnten Attribute und tragen sie nach außen, das heißt in ihr privates Umfeld. Mit dem im Training erworbenen Gefühl respektiert zu werden und etwas leisten zu können, erlangen sie ein sicheres Auftreten, dass ihnen wiederum den Respekt anderer einbringt.
Das Interessante liegt hierbei in einer überwiegend nonverbalen Kommunikation, denn es werden Regeln und Grenzen erarbeitet sowie Normen und Werte vermittelt, die jedoch größtenteils im Tun ihren Ausdruck finden. Die Kinder lernen ihren Körper kennen, verstehen und sich durch ihn auszudrücken. Damit treten sämtliche Sprachbarrieren in den Hintergrund und die Kinder lernen auf einer anderen Ebene zu kommunizieren.
Dabei soll die verbale Kommunikation keinesfalls verdrängt werden, vielmehr wird durch die körperliche Ebene eine zusätzliche Basis geschaffen, Konflikte friedlich beizulegen. Seine Stärken und Schwächen zu kennen und somit selbstbewusst in eine neue Situation treten zu können, ist der Grundstein zu einer gelungenen Kommunikation, egal auf welcher Ebene.
Die durch das gemeinschaftliche Training erworbenen sozialen Kompetenzen helfen zudem auf vielen Ebenen, die Kinder für die Zukunft zu stärken. Teamgeist und Körperkontrolle, Achtung des Nächsten und Einschätzung der eigenen Kräfte helfen Krisensituationen besser und konstruktiver zu meistern. Zudem unterstützt das Training die Kinder, ihre aufgestaute Energien zu entladen. Nach dem Training sind sie ruhiger, ausgeglichener, voller Freude und können sich besser auf andere Aufgaben konzentrieren. Das Vo-Dao-Training bietet dafür somit eine tolle Basis, dass die Kinder auch andere Lernangebote wahrnehmen.
